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Werkstattgeschichte #1

Oktober 6, 2013 at 11:00 am

werkstattwhoop whopp

Werkstattgeschichte #1

Entweder hab ich in meiner Kindheit zuviel Pumuckl geguckt, oder ich habe die Leidenschaft und das Geschick meines Urgroßvaters, der zu seiner Zeit als Schreiner tätig war, vererbt bekommen. Dem ist auf den Grund zu gehen.

Deswegen umreiß ich die ganze Szenerie für diejenigen, die meine Geschichte bisher nicht kennen, noch mal etwas ausführlicher und erläutere, wie es zu der Entscheidung kam, mich in eine Werkstatt in Berlin Kreuzberg einzumieten. Man bedenke, dass dieser Entschluss durchaus mit einigen Risiken verbunden ist, da mein neuer Arbeitsplatz mit riesigen und fürchterlich lauten Maschinen ausgestattet ist, die allesamt nur eines im Sinn haben: meine Finger abzusäbeln!!!

Ach nein, Moment. Bevor ich hier richtig loslege, möchte ich zunächst alle, die hier zufälliger oder gefälliger Weise bzw. gefälligst vorbei schauen, mit einem ganz herzlichen MOIN MOIN begrüßen und viel Spaß beim Lesen meiner Werkstattgeschichten wünschen.

Im Grunde genommen war mir bereits nach Abschluss der Schule klar, dass ich einen handwerklichen und kreativen Beruf ausüben möchte. Für die männerdominierte Tischlerausbildung hat mir mit 19 Jahren jedoch noch das nötige Selbstbewusstsein gefehlt, so dass ich Studium, Auslandsaufenthalt und ein paar Berufsjahre als PR-Beraterin ins Land ziehen lassen musste, bevor es ausschließlich ans WERKELN ging. (Geschadet hat mir die lange Anlaufzeit vor allem in puncto Erfahrungen und Selbstbewusstsein aber nicht – ganz im Gegenteil) Es fehlte bis dato eben der passende Moment, der diesen Frühsommer zunächst in Form eines Anklopfens eingetreten ist.

Wer klopft da? Was klopft da? Und warum? Bin ich überhaupt gemeint oder hat sich da jemand in der Tür geirrt? Ich habe mich getraut die Tür zu öffnen und den vermeintlichen Störenfried herein gelassen. Er hat sich als madeva vorgestellt und mir erklärt, dass das nichts mit mad Eva zu tun hat, auch wenn das durchaus manchmal zutreffend ist. Nein, es handelt sich dabei um die Zusammensetzung des spanischen Begriffes madera (Holz) und meiner Wenigkeit, Eva, und soll in Zukunft als Deckmantel aller meiner Handwerksarbeiten dienen. Was soll man machen, wenn da plötzlich so ein Klopfer vorbei schneit? Ich konnte nicht anders, als meine Festanstellung an den Nagel zu hängen, den Computer gegen eine Hobelbank einzutauschen und die Familien-Werkstatt zu plündern, Schleifer, Hammer, Bohrer und Co. zu meinem Eigen zu machen und das zu professionalisieren, was ich bisher in den Feierabendstunden auf meinem 3 qm Balkon gemacht habe.

Aus alten Gegenständen, die ich auf Flohmärkten ergattere, für die ich gerne einen Ausflug ins Brandenburger Land unternehme oder die ich im Internet aufstöbere, kreiere ich nun also Neues. Man nennt es auch upcycling ;-) So werden unter anderem aus 40 Jahre alten DDR-Getränkekisten Nachtschränkchen, Plattenkisten, Wandregale oder Transportkisten für Fahrräder. Und da ich besonderen Spaß daran habe, Fotografien auf Holz zu arbeiten, habe ich mir überlegt dies zu einem besonderen Gimmick meiner Produkte werden zu lassen. Zusätzlich kann ich so ganz eng mit meinen Kunden zusammen arbeiten und diese beim Festlegen des Designs teilhaben lassen. Jeder hat die Möglichkeit mir sein ganz persönliches Foto-Motiv zu schicken, welches ich dann auch nur für sie und das gewünschte Produkt verwende. Unikate also. Und da das alles nicht in fünf Minuten passiert und akribische Handarbeit bedarf, haben die Produkte ihren holzgerechten Preis. Diejenigen unter euch, die ihre eigenen vier Wände nicht ausschließlich mit Industrie-Ware füllen wollen, sondern sich nach einem Lieblingsstück sehnen, die werden auch meine Preise zu schätzen wissen. Für diejenigen, die meine Handarbeiten schätzen, aber tatsächlich ein Loch in ihrem Geldbeutel haben, habe ich mir eine Alternative überlegt. Herausgekommen sind kleine, aber feine Holzbilder, die auch mit der von mir angewandeten Fototechnik individualisiert werden. Mal etwas anderes als ein Fotopuzzle, oder ein Foto auf der Frühstückstasse, welche inzwischen in jedem Drogeriemarkt geordert werden können. Es sind individuelle Geschenke kombiniert mit dem für mich unvergleichbarem Charme von Holz.

Für den Anfang beschränke ich mich auf diese madeva Holzunikate. So kann ich sie in ihrer ganzen Vielfalt ausschöpfen. Unzählige weitere Produktvorstellungen machen es sich aber bereits jetzt in meinem Kopf gemütlich und warten darauf umgesetzt zu werden. Aber step by step!

Um meinen ersten Beitrag nun abzurunden, komme ich noch mal auf die eingangs gestellte Frage zurück. Diese kann ich kann ich ganz klar mit; weil ich in meiner Kindheit zuviel Pumuckl geguckt habe und weil offenbar holzliebende Gene in meiner Familie vorhanden sind, ist meine Entscheidung madeva zu gründen einfach nur konsequent und deswegen für mich absolut sinnvoll.

Und nun geht es los mit den Holzbrettern, die die Welt für mich bedeuten. Viel Spaß beim Produkte gucken und beim Lauschen der Waldgeräusche – Ihr könnt das auch ausschalten! Hab nur gehört, dass Waldgeräusche hypnotisierend wirken und somit vielleicht Einfluss auf den Kaufprozess haben ;-)

Bis zum nächsten Mal mit der Werkstattgeschichte #2

Eure madeva

P.s: Am liebsten hätte ich hier einen Duftknopf eingebaut, der den berauschenden Duft von Holz versprüht. Der muss aber erst noch erfunden werden. Wenn es soweit ist, lass ich euch dann aber gerne an den olfaktorischen Highlights, die mir täglich in der Werkstatt durch die Nase strömen, teilhaben. Nein, ich meine nicht den Holzlack!